Woche 15: Falsche Bankmitarbeiter fordern Installation von Fernwartungssoftware
Das BACS verzeichnet eine Häufung von Meldungen zu betrügerischen Telefonanrufen, sogenanntem Voice Phishing oder «Vishing». Kriminelle geben sich am Telefon als Mitarbeitende bekannter Schweizer Banken aus, um angebliche Fehlbuchungen zu stoppen. Aber auch das BAKOM wird neuerdings für diese Betrugsvariante missbraucht. Das perfide Ziel der Täterschaft: Die Opfer sollen eine Fernwartungssoftware wie «AnyDesk» installieren, wodurch die Betrüger die volle Kontrolle über den Computer erlangen.
Die Masche des sogenannten «Voice Phishings» ist äusserst manipulativ und zielt darauf ab, die Opfer in einem unachtsamen Moment unter enormen psychologischen Druck zu setzen. In der vergangenen Woche wurden dem BACS vermehrt Fälle gemeldet, bei denen die Anrufer den Namen grosser und gängiger Schweizer Finanzinstitute missbrauchten.
Vertrauensbildung durch geleakte Daten
Der Betrug beginnt in der Regel mit dem Anruf eines angeblichen Bankmitarbeiters. Dieser meldet sich mit besorgter Stimme und behauptet, es sei eine ungewöhnliche oder verdächtige Transaktion auf dem Konto des Opfers festgestellt worden. Um die Abbuchung zu stoppen, müsse man nun gemeinsam die Sicherheitssysteme überprüfen.
Besonders tückisch an der aktuellen Welle: Die Anrufer wirken äusserst seriös und kennen oftmals bereits den vollständigen Namen sowie die Wohnadresse der kontaktierten Person. Diese korrekten persönlichen Angaben sollen beim Opfer Vertrauen wecken und die Echtheit des Anrufs untermauern. Solche Informationen beschaffen sich die Kriminellen höchstwahrscheinlich im Vorfeld aus öffentlich zugänglichen Quellen (Telefonbüchern, sozialen Netzwerken) oder sie stammen aus vergangenen Datenabflüssen (Leaks).
Weiterleitung an den angeblichen «IT-Spezialisten»
Daraufhin wird das Opfer mit einem angeblichen IT-Spezialisten der Bank verbunden, um gemeinsam die Sicherheitseinstellungen zu überprüfen.
Dieser vermeintliche Spezialist erklärt dem Opfer nun, dass das E-Banking oder der Computer mit Schadsoftware infiziert sei. Um das Problem zu beheben, den Computer zu bereinigen und das Geld endgültig zu sichern, müsse dringend ein «Support-Tool» oder eine «Sicherheits-App» heruntergeladen werden.
Konkret werden die Opfer dazu gedrängt, eine Fernwartungssoftware wie z.B. «AnyDesk», «TeamViewer» oder ähnliche Programme wie zu installieren. Dabei handelt es sich eigentlich um legitime Fernwartungsprogramme, die normalerweise für IT-Support eingesetzt werden. Gewährt das Opfer jedoch den Zugriff über diese Software, ermöglicht es den Kriminellen den Zugriff auf seinen Computer. Die Betrüger können den Bildschirm des Opfers sehen, die Maus steuern, im Hintergrund Passwörter und Logindaten abgreifen, Programme installieren und sich Zugriff auf das E-Banking zu verschaffen.
Neue Betrugsvariante: Voice-Phishing im Namen des BAKOM
Betrüger geben sich neu auch als Mitarbeitende des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM) aus. Die angerufene Person wird darüber informiert, dass ihre Telefonnummer gesperrt werde oder bereits gesperrt sei. Der genaue Ablauf dieser Variante ist dem BACS noch nicht vollständig bekannt, da bisher erst wenige Meldungen eingegangen sind. Basierend auf ähnlichen Maschen ist jedoch davon auszugehen, dass die Betrüger anschliessend versuchen, persönliche Daten zu erfragen oder die Opfer zur Installation einer Software zu bewegen, um die angebliche Sperre aufzuheben.
Empfehlungen
- Banken, Kreditkarteninstitute oder Behörden werden Sie niemals telefonisch dazu auffordern, Fernwartungssoftware wie «AnyDesk», «TeamViewer» usw. auf Ihrem Computer oder Smartphone zu installieren.
- Brechen Sie solche Telefonanrufe sofort ab.
- Sollten Sie Kreditkartendaten angegeben haben, wenden Sie sich umgehend an Ihren Kreditkartendienstleister, damit dieser die Kreditkarte sperren kann.
- Falls Sie Ihr Passwort angegeben haben, ändern Sie dieses sofort bei allen Diensten, bei welchen Sie dieses einsetzen. Aktivieren Sie wenn möglich die Zwei-Faktoren-Authentisierung.
- Verwenden Sie für jeden Online-Dienst ein separates, starkes Passwort.
- Handelt es sich um ein E-Mail-Passwort, setzen Sie auch alle Passwörter der Web-Dienstleister zurück, die mit diesem Konto in Verbindung stehen.
- Falls Sie aufgefordert worden sind, ein Fernzugriffprogramm zu installieren, deinstallieren Sie dieses umgehend und ändern Sie alle Passwörter, die Sie auf diesem Gerät verwenden.
- Falls Sie einen finanziellen Schaden erlitten haben, empfiehlt das BACS eine Strafanzeige bei der örtlichen Polizei. Auf der Seite von Suisse ePolice können Sie Polizeiposten in Ihrer Nähe suchen.
Weiterführende Informationen
E-Banking-Phishing: Wenn der Anruf der «Bank» zur Falle wird
Aktuelle Zahlen und Statistiken
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