Woche 34: Dubiose Nahrungsergänzungsmittel unter den Webadressen ehemaliger Arztpraxen und Apotheken
Das BACS hat schon wiederholt darauf hingewiesen, welche Konsequenzen drohen, wenn Domänen aufgegeben werden oder die fristgerechte Bezahlung der Registrierungsgebühren versäumt wird. Aktuelle Meldungen zeigen eine Ausprägung dieses Phänomens auf Webadressen ehemaliger Arztpraxen und Apotheken. Das BACS zeigt im aktuellen Wochenrückblick, weshalb gerade Domänen aus dem Gesundheitsbereich betroffen sind.
Wenn eine Firma schliesst oder übernommen wird, läuft die Internetadresse, die sogenannte Domäne, irgendwann aus und kann von Dritten neu registriert werden. Das BACS erhält immer wieder Meldungen von Firmen oder Vereinen, dass ihre aufgegebene Website plötzlich wieder online erscheint. Die Inhalte sind dabei unterschiedlich. In einigen Fällen taucht eine identische Website auf, in anderen Fällen befinden sich auf der reaktivierten Website pornographische Inhalte oder dubiose Angebote. Dem BACS werden vermehrt Fälle gemeldet, die Adressen ehemaliger Arztpraxen und Apotheken betreffen. Unter der vertrauten Internetadresse erscheinen plötzlich Listen von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln.
In den aktuellen Fällen geben sich die neuen Betreiber jedoch nicht als die frühere Praxis oder Apotheke aus. Stattdessen nutzen sie deren Bekanntheit in Suchmaschinen, Bewertungen und bestehenden Verlinkungen gezielt aus. Wer nach der ehemaligen Praxis oder Apotheke sucht, findet die entsprechende Domäne weiterhin weit oben in den Suchergebnissen und gelangt auf ein Angebot, das auf den ersten Blick zur Suchanfrage zu passen scheint. Dass der ursprüngliche Betrieb inzwischen aufgegeben wurde und die Domäne den Besitzer gewechselt hat, ist für die Nutzerinnen und Nutzer dabei nicht immer erkennbar.
Auf diesen Seiten wird nichts direkt verkauft. Sie dienen lediglich als Zwischenstation und leiten die Besucherinnen und Besucher auf Verkaufsplattformen für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel weiter. Die bekannte Schweizer Domäne wird dabei genutzt, um Internetnutzende anzulocken, während der eigentliche Verkauf über ausländische Websites abgewickelt wird. Wird eine dieser Verkaufsseiten gesperrt, bleibt die ursprüngliche Domäne bestehen und verweist einfach auf die nächste Plattform.
Warum sind Praxen und Apotheken betroffen?
Suchmaschinen berücksichtigen bei der Bewertung einer Domäne auch deren Vergangenheit. Bei einer Praxis oder Apotheke enthält die Adresse zudem meist den Ortsnamen und wurde deshalb über Jahre bei ortsbezogenen Suchanfragen gefunden und verlinkt. Einträge in Branchen- und Gesundheitsverzeichnissen, auf Gemeindeportalen, in Kartendiensten und auf Partnerseiten bleiben nach der Geschäftsaufgabe zudem meist bestehen und leiten weiterhin Besucherinnen und Besucher auf die Adresse. Für Angebote aus demselben Themenbereich ist eine solche Adresse deshalb von erheblichem Wert.
Dass solche Domänen nach Ablauf der Frist neu registriert werden, geschieht in der Regel nicht zufällig: Freigegebene Domänen lassen sich systematisch beobachten, entsprechende Listen sind verfügbar und lassen sich nach Stichworten eingrenzen.
Warum die früheren Inhaber oft nichts bemerken
Über die Neuregistrierung einer freigegebenen Domäne wird niemand informiert. Der frühere Betrieb existiert nicht mehr, eine zuständige Person gibt es meist nicht, und der Wechsel findet häufig erst Monate oder Jahre nach der Schliessung statt. Zu diesem Zeitpunkt kontrolliert kaum jemand noch, was unter der alten Domäne erscheint.
Hinzu kommt, dass die Inhalte thematisch zum früheren Betrieb passen. Wer nach einer Apotheke sucht und auf eine Website mit Arzneimitteln oder Gesundheitsprodukten gelangt, nimmt zunächst keinen Widerspruch wahr. Entsprechend entsteht im ersten Moment kein Misstrauen, da das Angebot auf den ersten Blick den Erwartungen entspricht, die mit der ursprünglichen Apotheke verbunden werden.
Suchmaschinen zeigen den Eintrag zudem eine Zeit lang noch mit dem ursprünglichen Titel an. Wer bemerkt, dass etwas nicht stimmt, weiss oft nicht, an wen er sich wenden soll, weil die frühere Inhaberin oder der frühere Inhaber nicht mehr erreichbar ist.
Empfehlungen
- Behandeln Sie eine Domäne wie eine Marke. Auch wenn ein Geschäft aufgelöst wird, sollte die Domäne weitergeführt und entweder auf eine statische Informationsseite (z. B. mit einem Hinweis auf die Geschäftsaufgabe) oder auf die neue Firma umgeleitet werden, mindestens für eine gewisse Zeit.
- Verhindern Sie, dass wichtige Domänen durch administrative Versäumnisse ungewollt frei werden.
- Seien Sie misstrauisch, wenn eine bekannte Website plötzlich ihr Design oder ihren Inhalt radikal ändert oder zu ungewöhnlichen Zahlungen auffordert – auch wenn die Internetadresse korrekt erscheint.
Weiterführende Informationen
Wenn die alte Domäne in die falschen Hände gerät
Aktuelle Zahlen und Statistiken
Die Anzahl Meldungen der letzten Woche nach Kategorien sind publiziert unter:


