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Veröffentlicht am 6. Oktober 2026

Woche 40: Mythen zu Schadsoftware und Massnahmen bei Verdacht auf eine Infektion

Das BACS erhält derzeit vermehrt Meldungen zu gezielten Malware-Angriffen. Nachdem letzte Woche die Infektionswege im Zentrum standen, zeigt der zweite Teil, was bei Verdacht auf eine Infektion zu tun ist. Zudem räumt er mit verbreiteten Mythen auf, zu denen das BACS regelmässig Anfragen erhält.

Rund um Schadsoftware gibt es einige weit verbreitete Annahmen, die oftmals nicht mehr aktuell sind. Besonders häufig wird dem BACS die Frage gestellt, ob bereits das blosse Ansurfen einer Webseite oder das einfache Öffnen einer E-Mail zu einer Infektion führen kann.

Kann das Öffnen einer E-Mail oder Webseite zu einer Infektion führen?

Das Öffnen einer E-Mail, WhatsApp-Nachricht oder Webseite führt heute nur noch in sehr seltenen und speziellen Fällen zu einer Infektion. Moderne Betriebssysteme und Browser verfügen über zahlreiche Sicherheitsmechanismen. Wenn das Betriebssystem, der Browser und die verwendeten Programme aktuell gehalten werden, ist es für Betrüger kaum möglich, beliebige Programme ohne Zutun der Benutzerin oder des Benutzers auf dem Gerät zu installieren. In der Regel ist hierfür eine Handlung oder Zustimmung der betroffenen Person erforderlich. Ebenso wenig führt die Entgegennahme eines betrügerischen Anrufs zu Schadsoftware auf dem Mobiltelefon.

Es gibt allerdings Ausnahmen. Speziell präparierte Webseiten oder Dateien können versuchen, Sicherheitslücken in Betriebssystemen, Browsern oder anderen Programmen auszunutzen. Bei bisher unbekannten Sicherheitslücken kann unter Umständen auch ein vollständig aktualisiertes System betroffen sein. Diese sogenannten «Zero Day»-Angriffe sind selten und werden kaum in der Breite, sondern sehr gezielt gegen ausgewählte Opfer ausgeführt (z. B. politisch exponierte Personen, Mitarbeitende internationaler Organisationen, Diplomatinnen und Diplomaten usw.).

Viel häufiger versuchen Angreifer heutzutage, die Benutzerin oder den Benutzer selbst zu einer Handlung zu bewegen. Beispielsweise sollen sie unter einem Vorwand ein Programm installieren oder einen Befehl ausführen, der dann zu einer Infektion führt.

Sind macOS-Systeme besser vor Cyberangriffen geschützt?

Auch Nutzerinnen und Nutzer von macOS können von Schadsoftware betroffen sein, denn es gibt auch für macOS zahlreiche Schadprogramme. Dazu gehören unter anderem Programme zum Diebstahl von Zugangsdaten, Spionageprogramme und Schadsoftware, die Dateien verschlüsselt oder den Computer für weitere Angriffe missbraucht. Kurz gesagt: Alles, was auf Windows-Geräten vorkommt, existiert grundsätzlich auch für macOS.

Apple hat verschiedene Sicherheitsfunktionen in macOS integriert. Diese bieten einen wichtigen Schutz, machen ein Mac-Gerät jedoch nicht unangreifbar. Auch auf einem Mac sollten deshalb Sicherheits-Updates installiert und Programme nur aus vertrauenswürdigen Quellen bezogen werden.

Schützt ein Virenscanner vor allen Infektionen?

Ein Virenscanner ist eine wichtige Schutzmassnahme, kann aber keinen vollständigen Schutz garantieren. Neue Schadsoftware kann zunächst unbekannt sein. Bis die Erkennung einer Schadsoftware im Virenscanner angekommen ist, vergeht einige Zeit. Gerade bei regional verbreiteten Infektionen kann die Erkennung durch eine Antiviren-Software verzögert erfolgen. Ausserdem kann ein Angriff darauf abzielen, die Benutzerin oder den Benutzer dazu zu bringen, selbst eine schädliche Aktion auszuführen. Ein Virenscanner sollte deshalb nur als eine zusätzliche Schutzschicht betrachtet werden, nicht als alleiniger Schutz. Er ersetzt weder Sicherheits-Updates noch vorsichtiges Benutzerverhalten.

Wie erkennt man eine Infektion?

Eine Infektion ist nicht immer sofort erkennbar: Schadsoftware ist meist so programmiert, dass sie unauffällig arbeitet. Die Angreifer möchten schliesslich möglichst lange unentdeckt bleiben. Ein wichtiger Hinweis sind Warnungen des Virenschutz-Programms oder des Betriebssystems. Solche Warnungen sollten keinesfalls ignoriert werden. Insbesondere, wenn ein Sicherheitsprogramm eine Schadsoftware erkannt und blockiert hat, sollte die Meldung genauer betrachtet werden. Vorsicht ist bei plötzlich eingeblendeten Meldungen geboten, wonach das Gerät infiziert sei und man eine angegebene Nummer anrufen solle: Bei solchen Meldungen handelt es sich um Betrugsversuche (Fake-Support).

Weitere mögliche Anzeichen sind beispielsweise:

  • Unerklärbare Browser-Erweiterungen;
  • Ungewöhnliche Änderungen an Browser- oder Systemeinstellungen;
  • Unerwartete Werbung oder Weiterleitungen im Browser;
  • Ungewöhnlich hohe CPU-, Speicher- oder Netzwerkauslastung;
  • Das Gerät wird ohne erkennbaren Grund deutlich langsamer.
  • Programme starten oder schliessen sich unerwartet.
  • Häufung von Systemfehlern;
  • Lokale Dateien wurden verändert, gelöscht oder verschlüsselt.
  • Unbekannte Anmeldungen bei Online-Konten;
  • Verdächtige Nachrichten oder E-Mails wurden versendet.
  • Passwörter oder andere Zugangsdaten funktionieren plötzlich nicht mehr.

Keines dieser Anzeichen ist für sich allein der Beweis für eine Infektion. Ein langsamer Computer kann auch andere Ursachen haben. Mehrere ungewöhnliche Beobachtungen gleichzeitig sollten jedoch Anlass für eine genauere Untersuchung sein.

Empfehlungen

  • Lassen Sie Ihr Gerät bei einem Verdacht auf Schadsoftware von einer Fachperson untersuchen.
  • Die Änderungen, welche Schadprogramme am System vornehmen, können häufig nicht einfach rückgängig gemacht werden. Deshalb sollte bei einer Infektion das gesamte System neu aufgesetzt werden. Regelmässige Backups helfen, dass Ihre Daten nicht verloren gehen.
  • Ändern Sie Ihre Passwörter nach der Neuinstallation bei allen Online-Zugängen (E-Mail, E-Banking, soziale Netzwerke usw.). Schadsoftware könnte diese an die Angreifer übermittelt haben.
  • Wenn Sie das Gerät auch geschäftlich verwenden, oder es sich um ein Geschäftsgerät handelt, informieren Sie Ihren Arbeitgeber bzw. die IT-Abteilung der Firma.
  • Bei einem Smartphone wird empfohlen, das Gerät auf den Auslieferungszustand zurückzusetzen (sog. «Factory Reset») und dann neu einzurichten.
  • IoT-Geräte können ebenfalls auf den Auslieferungszustand zurückgesetzt und neu eingerichtet werden. Installieren Sie die neueste Firmware und schützen Sie das Gerät mit einem starken Passwort. Erlauben Sie keine Verbindungen aus dem Internet auf das Gerät. Ist das Gerät so alt, dass keine aktuelle Firmware mehr existiert, sollte möglichst ein Austausch ins Auge gefasst werden.

Weiterführende Informationen

Gerät infiziert – Was nun?

Aktuelle Zahlen und Statistiken

Die Anzahl Meldungen der letzten Woche nach Kategorien sind publiziert unter:

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