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Veröffentlicht am 13. Oktober 2026

Woche 41: Wenn der Bezug zur Schweiz täuscht - Online-Shops mit Rücksendeadressen in Asien

Eine .ch-Domäne, ein Schweizer Stadtname in der URL und die rührende Geschichte einer Gründung in der Schweiz. Alles scheint lokal und vertrauenswürdig. Doch ein genauerer Blick ins Impressum, in die AGBs oder in den Quelltext der Webseite offenbart: Die Firma sitzt im Ausland, die Bilder wurden mit KI generiert, und das Lager befindet sich in Asien.

Dem BACS werden wöchentlich zahlreiche betrügerische oder äusserst fragwürdige Online-Shops gemeldet. Aktuell fallen zahlreiche Shops auf, die mit einer perfiden Form des «Swiss Washing» arbeiten. Sie nutzen das Vertrauen in den Schweizer Online-Handel gezielt aus, um minderwertige Ware aus Fernost zu überteuerten Preisen zu verkaufen. Manchmal erfolgt sogar überhaupt keine Lieferung.

Die Masche: Schweizer Fassade, ausländische Realität

Die Shops treten sehr professionell auf und nutzen für ihre Internetadressen häufig Kombinationen aus einem (oft weiblichen) Vornamen und einer Schweizer Stadt. Gepaart mit der .ch-Endung und permanenten, hohen Rabatten entsteht sofort der Eindruck, man kaufe bei einer lokalen Boutique ein. Auf Seiten wie «Über uns» wird oftmals die fiktive und herzergreifende Geschichte einer Gründung mitten in der Schweiz erzählt.

Typisch sind auch Geschichten zu einer angeblich bevorstehenden Geschäftsaufgabe oder Liquidation, um die hohen Rabatte zu begründen. Doch die Realität sieht anders aus. Ein genauer Blick auf die rechtlichen Rahmendaten der gemeldeten Shops zeigt folgendes Bild:

  • Ein Impressum fehlt entweder komplett, oder es verweist zum Beispiel auf eine Einzelperson in Portugal, eine Briefkastenfirma in England oder eine Adresse in den Niederlanden.
  • Unter den Bedingungen zur Rückerstattung («Refund Policy») ist vermerkt, dass sich das Hauptlager in Asien befindet.
  • Um ohne grossen Aufwand riesige Sortimente und professionelle Model-Fotos zu präsentieren, setzen die Betreiber auf Künstliche Intelligenz (KI). Oftmals geben sich die Macher nicht einmal die Mühe, ihre Spuren zu verwischen: Ein Blick in den Quelltext der Webseiten oder auf die URL der Bilder zeigt, dass die Bilddateien Namen wie ChatGPT_Image_[Datum].png tragen.

Das böse Erwachen nach der Bestellung

Wer von den angeblichen Rabatten geblendet wird und bestellt, erhält oft wochenlang nichts. Trifft die Ware schliesslich ein, stammt sie direkt aus Asien und weicht in Qualität, Material oder Grösse massiv von den KI-generierten Hochglanzbildern ab.

Der Versuch, die Ware zurückzusenden, endet meist in einer Sackgasse. Da die AGB festhalten, dass Rücksendungen an das Hauptlager erfolgen müssen, sehen sich die Käuferinnen und Käufer plötzlich mit immensen Portokosten nach Asien konfrontiert. Meist übersteigen diese Rücksendekosten den Wert der Ware bei Weitem, wodurch ein Umtausch faktisch verunmöglicht wird.

Warum das BACS solche Seiten nicht einfach sperrt

Oft wird vom BACS in der Folge gefordert, solche .ch-Domains sofort sperren zu lassen. Die gesetzlichen Grundlagen der Verordnung über Internet-Domains (VID) erlauben dem BACS jedoch nur dann eine direkte Sperrung durch die Registerbetreiberin SWITCH, wenn von der Seite eine technische Bedrohung ausgeht (z. B. Phishing von sensiblen Daten oder die Verbreitung von Schadsoftware).

Irreführende Herkunftsangaben, verschleierte AGBs und «Dropshipping»-Betrug fallen unter das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) und das Strafrecht. Für das Vorgehen gegen solche Praktiken sind die Strafverfolgungsbehörden und das SECO zuständig. Das BACS kann in diesen Fällen also keine Sperrung der fraglichen Website beantragen.

Empfehlungen

Um nicht in die Falle solcher Webshops zu tappen, empfiehlt das BACS folgende Prüfschritte vor dem Kauf in einem unbekannten Online-Shop:

  • Verlassen Sie sich nicht auf eine .ch-Domain oder einen Städtenamen im Logo. Suchen Sie nach dem Impressum («Legal Notice»). Wer ist der tatsächliche Vertragspartner und wo hat er seinen Sitz? Prüfen Sie in den Rückgaberichtlinien («Refund Policy»), wohin eine allfällige Retoure geschickt werden muss.
  • Wirken die Produktbilder unnatürlich perfekt? Wenn Sie auf einem Computer surfen, können Sie mit einem Rechtsklick auf ein Bild (oft via «Bild in neuem Tab öffnen») die Webadresse des Bildes prüfen. Tauchen hier Begriffe wie «ChatGPT» oder «DALL-E» auf, ist höchste Vorsicht geboten.
  • Lassen Sie sich von Countdown-Zählern und ungewöhnlich hohen Rabatten nicht unter Druck setzen.
  • Suchen Sie im Internet nach dem Shop-Namen in Kombination mit Begriffen wie «Erfahrungen», «Betrug» oder «Scam».
  • Melden Sie den Vorfall dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), erstatten Sie bei einem finanziellen Schaden Strafanzeige bei der Polizei und informieren Sie Konsumentenschutzorganisationen, wie z. B. die Stiftung für Konsumentenschutz.

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