Halbjahresbericht 2025/2
Im zweiten Halbjahr 2025 erhielt das BACS 29'006 freiwillige Meldungen sowie 145 meldepflichtige Cybervorfälle, womit der gesamte Meldeeingang weiterhin auf hohem Niveau stabil bleibt. 52 Prozent der Meldungen sind dem Phänomen «Betrug» zugeordnet, wobei jedoch die seit Mitte 2023 dominierenden betrügerischen Drohanrufe im Namen von Behörden signifikant abnahmen. Die zentralen Bedrohungsphänomene blieben in der Schweiz auch dieses Halbjahr dieselben, relevante Entwicklungen gab es jedoch bezüglich der jeweiligen Ausprägungen der beschriebenen Bedrohungsformen.
Auf die Schweiz zugeschnittene Phishing-Varianten
Cyberkriminelle führten weiter «Voice-Phishing»- und «Real-Time-Phishing»-Kampagnen mit betrügerischen Werbeanzeigen in Suchmaschinen durch. Zusätzlich zeigten sich aber auch mehr aufwändigere, zielgerichtetere Varianten, die u. a. auch Schweizer Besonderheiten mit z. B. Treuepunkteprogrammen beinhalteten. Zudem nutzten Angreifer beim doppelten Phishing («Double Phishing» ) einen gerade erst stattgefundenen, erfolgreichen Phishing-Vorfall, um die Opfer am Telefon ein weiteres Mal zu schädigen. Ab Sommer 2025 setzten Kriminelle SMS-Blaster erstmals auch in der Schweiz ein. Damit umgehen sie Filtermethoden der Kommunikationsanbieter für die Verteilung von SMS-Phishing.
Ransomware als konstante und ernstzunehmende Bedrohung
«Ransomware» und die damit verbundene Datenerpressung bedrohen nach wie vor opportunistisch Schweizer Organisationen aller Art. Insgesamt 57 Ransomware-Vorfälle wurden dem BACS freiwillig oder auf Basis der Meldepflicht direkt mitgeteilt. Die Ransomware-Variante «Akira» war bereits im ersten Halbjahr 2025 in der Schweiz führend, ihre Aktivitäten intensivierten sich zusätzlich in der Berichtsperiode. Besonders die Ausnützung von SonicWall-Geräten trug zu diesen Auswirkungen bei, da Korrekturanweisungen des Herstellers nach einer Schwachstelle aus dem Jahr 2024 nicht von allen Betroffenen konsequent umgesetzt wurden.
Angriffe auf internationale Software-Lieferketten
Zahlreiche Schweizer Organisationen waren im zweiten Halbjahr 2025 nebst Schwachstellen in gängigen Software-Produkten auch von Kompromittierungen etablierter und viel genutzter Komponenten in «Open-Source»-Software (OSS) betroffen. Im Kontext der beiden «Shai-Hulud»-Kampagnen im September und November 2025 wurden beispielsweise über tausend npm-Pakete («Node Package Manager») mit monatlichen Downloads im dreistelligen Millionenbereich infiziert. Diese komplexen, technischen Abhängigkeiten fordern IT-Verantwortliche, da beim Vorliegen einer Sicherheitslücke in diesen Bibliotheken
alle Anwendungen potenziell verwundbar sind, die diese Komponente im Code enthalten.
ORB-Netzwerke in der Schweiz
Die Anzahl kompromittierter Geräte, die zu verdeckten ORB-Netzwerken gehören, wächst kontinuierlich. Solche Netzwerke bestehen in der Regel aus mit Schadsoftware infizierten, mit dem Internet vernetzten Geräten (IoT) und Routern, die für verschiedene Angriffe genutzt werden und die Privatsphäre der Eigentümer beeinträchtigen. Eine Vielzahl von Geräten der Schweizer Privatpersonen und Organisationen wurden somit für Angriffe gegen Ziele der Nutzer dieser Angriffsinfrastruktur missbraucht. Deshalb ist ein regelmässiges Aktualisieren von Geräten, die gegenüber dem Internet exponiert sind, für die Bekämpfung solcher Netzwerke zentral. Bereits im Jahr 2024 zeigte sich international, dass staatliche Akteure Infrastrukturen wie ORB-Netzwerke ebenfalls für Spionage- und Sabotageaktivitäten nutzen.
Der Halbjahresbericht beleuchtet in weiteren Kapiteln Beobachtungen und Entwicklungen aus den Bereichen Malware, Angriffe auf die Verfügbarkeit von Websites und Webdiensten, Datenmanagement sowie Cyberspionage und -sabotage. Trotz eines zunehmend angespannten geopolitischen Umfelds zeigen sich die Auswirkungen der Cyberbedrohungslage auf die Schweiz als relativ stabil und die Cyberresilienz als grösstenteils robust.
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