Halbjahresbericht 2026/1
Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) beschreibt in seinem Halbjahresbericht die relevanten Vorfälle und Entwicklungen im Zusammenhang mit Cyberbedrohungen in der Schweiz und auf internationaler Ebene. Im ersten Halbjahr 2026 gingen beim BACS 27’128 freiwillige Meldungen sowie 200 meldepflichtige Cybervorfälle ein, womit sich der Meldeeingang auf einem hohen Niveau stabilisiert hat. Weiterhin dominiert Betrug als lukratives Massengeschäft die Statistik, wobei sich insbesondere Varianten via Telefon wie das «Voice Phishing» als Methode etabliert haben. Indem Kleinanzeigenplattformen, Suchmaschinenplatzierungen oder auch Datenlecks als Kontaktpunkt für Cyberkriminelle dienen, holen diese ihre Opfer mit persönlichen, emotionalen und auch teilweise technisch sehr ausgefeilten Methoden ab. Angreifer nutzen nun Künstliche Intelligenz (KI) systematisch, um zugeschnittene, personalisierte Inhalte glaubwürdig an die Opfer zu bringen.
Cybervorfälle bei Schweizer Unternehmen
Während grosse Kampagnen zu «CEO-Betrug» gegen Schulen, Gemeinden und Kirchen ausblieben, verzeichnete das BACS mehr Meldungen von Microsoft-365-«Phishing», wobei Angreifer die Geschäfts-E-Mail-Konten der Opfer übernehmen, um sie für weiteres Phishing oder Betrugsaktivitäten zu nutzen. Besonders augenfällig waren Fälle, bei denen mithilfe von gezielter Mitarbeitermanipulation IT-Helpdesks oder Führungspersonen imitiert wurden, um Systeme zu kompromittieren oder direkt Finanztransaktionen in die Wege zu leiten. Der Vorwand eines ausstehenden Sicherheitsupdates wurde in der Berichtsperiode ebenfalls vermehrt als Aufhänger verwendet, um Schadsoftware zu verteilen. Zudem ermöglichte die Kompromittierung mehrerer, viel genutzter Open-Source-Projekte die grossflächige Verbreitung von Software zum Diebstahl von Zugangsdaten. Schliesslich stagnierte die Anzahl der gemeldeten und beobachteten Schweizer «Ransomware»-Fälle bei 79 für diese Berichtsperiode, jedoch zeigt sich eine steigende Diversifizierung und Fragmentierung der aktiven Ransomware-Familien
Cyberresilienz in einem zunehmend politisierten internationalen Umfeld
In internationalen Konflikten und erweiterten politischen Interessensräumen hat sich Cybersabotage zu einer praktikablen, oft offen durchgeführten Aktivität für einzelne Staaten entwickelt. Bislang gab es zwar keine gezielten Cybersabotage gegen kritische Infrastrukturen in der Schweiz, doch kann sich das Risiko in Abhängigkeit zur geopolitischen Lage ändern. Aufgrund der Nähe der Schweiz zu anderen westlichen Wertegemeinschaften und aufgrund ihrer wirtschaftlichen und politischen Verflechtung müssen sich Schweizer Organisationen darauf vorbereiten, auch in einem zunehmend feindseligeren Cyberbedrohungsumfeld ihre Widerstandsfähigkeit zu behaupten. Dies wird mithilfe einer Fallstudie zu einem Vorfall in Polen illustriert.
Das «Dream Job Playbook»
Stellensuchende standen in dieser Berichtsperiode unterschiedlich im Fokus. Nebst grossflächigen Kampagnen im Kontext typischer Betrugsmaschen nahmen Angreifer Schweizer Privatpersonen und Unternehmen ins Visier, um mithilfe eines fingierten Bewerbungsprozesses Kryptogelder zu stehlen. Die Angreifer kontaktieren ihre Opfer als angebliche Headhunter auf LinkedIn und offerieren vermeintliche Traumjobs oder Investitionsvorhaben. Neben dem Einsatz fortgeschrittener Social-Engineering-Techniken wenden die Angreifer ausgeklügelte Angriffsmethoden an, um die Geräte zu kompromittieren, an sensible Zugangsdaten zu gelangen und Kryptogelder von den Opfern und ihren Arbeitgebern in Millionenhöhe zu stehlen.
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