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Seien Sie skeptisch

Cyberkriminelle zielen nicht nur auf Computer, sondern vor allem auf Menschen. Sie nutzen Vertrauen, Zeitdruck, Eile und Hilfsbereitschaft aus, um an Daten, Geld oder Zugangsdaten zu gelangen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz wirken ihre Tricks immer realistischer. Wer jedoch wachsam ist und die nötige Skepsis aufbringt, bleibt den Cyberkriminellen einen Schritt voraus.

Viele Cyberangriffe beginnen heute mit Psychologie: Beim sogenannten «Social Engineering» nutzen Kriminelle gezielt Eigenschaften wie Vertrauen, Hilfsbereitschaft oder Zeitdruck aus, um an Geld, Daten oder Zugangsinformationen zu gelangen. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz sind solche Täuschungen überzeugender denn je. Nachrichten, Stimmen und sogar Videobilder können mittlerweile täuschend echt wirken. Umso wichtiger ist es, skeptisch zu bleiben und zu verstehen, wie Cyberangriffe funktionieren. Technische Schutzmassnahmen können zwar vieles verhindern, ersetzen aber kein kritisches Denken. Verhalten Sie sich so, dass die technischen Schutzmassnahmen nur als letztes Sicherheitsnetz dienen und nur im Notfall zum Einsatz kommen müssen. Sicherheit ist immer ein Zusammenspiel von Mensch und Technik.

Wie «Social Engineering» funktioniert

Social Engineering ist eine Form der Manipulation, bei der Menschen zu bestimmten Handlungen bewegt werden sollen. Dazu gehört die Preisgabe vertraulicher Informationen, die Autorisierung von Zahlungen oder die Installation von Schadsoftware.

Typische Merkmale sind:

  • Betrüger geben sich oft als vertrauenswürdige Instanz aus, z. B. als Polizei, Bank, Paketdienst oder Support.
  • Dabei nutzen sie Emotionen wie Angst, Stress, Neugier oder Hilfsbereitschaft aus.
  • Sie erzeugen meistens Zeitdruck oder Dringlichkeit.
  • Oftmals bauen die Betrüger auch eine scheinbare persönliche Beziehung auf.

Social Engineering ist zwar eine bereits bekannte Methode zur Manipulation, neu sind jedoch Geschwindigkeit, Reichweite und Glaubwürdigkeit, mit der solche Angriffe heute durchgeführt werden können.

Die Rolle der künstlichen Intelligenz

Künstliche Intelligenz hat Social Engineering deutlich verändert. Texte können fehlerfrei und im passenden Sprachstil erstellt werden, sogar in Mundart. Stimmen lassen sich imitieren. Bilder und Videos können realistisch manipuliert werden. Selbst Gesichter, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt, wirken authentisch. Dadurch verlieren klassische Erkennungsmerkmale an Bedeutung. Früher galten Rechtschreibfehler oder eine unprofessionelle Gestaltung als Warnsignal. Heute sind betrügerische Inhalte sprachlich und visuell kaum noch von echten Mitteilungen zu unterscheiden. Diese Entwicklung bedeutet aber nicht, dass man sich nicht mehr schützen kann. Erhöhte Aufmerksamkeit und kritisches Hinterfragen werden zunehmend wichtiger. Entscheidend ist, das eigene Bauchgefühl ernst zu nehmen und zu prüfen, ob eine verlangte Handlung sinnvoll ist und das beobachtete Verhalten zur betreffenden Person oder Situation passt.

Psychologische Tricks von Betrügern

Social Engineering funktioniert, weil es auf bewährten psychologischen Mustern basiert. Diese sogenannten Heuristiken sind unbewusste Denkabkürzungen unseres Gehirns, die Entscheidungen vereinfachen, aber auch zu systematischen Denkfehlern führen können. Cyberkriminelle nutzen diese Verzerrungen gezielt, um Menschen zu manipulieren oder zu vorschnellem Handeln zu bewegen.

Folgende Methoden finden hierbei typischerweise Anwendung:

  • Autoritäts-Bias
    Menschen neigen dazu, Anweisungen von vermeintlichen Autoritäten weniger kritisch zu hinterfragen. Wenn sich jemand als Polizist, Bankangestellte oder als Beamtin ausgibt, wird die Anweisung eher befolgt. Wenn Sie unerwartet kontaktiert werden, fragen Sie sich immer, ob die Situation logisch erscheint.
  • FOMO – Fear of missing out
    Zeitlich begrenzte Angebote oder exklusive Investitionsmöglichkeiten sollen schnelle Entscheidungen erzwingen. Wenn etwas aussergewöhnlich lukrativ erscheint und sofortiges Handeln verlangt, ist besondere Vorsicht geboten.
  • Foot-in-the-Door-Technik
    Zunächst wird eine kleine, harmlose Bitte geäussert. Sobald Sie zustimmen, folgen weitere, grössere Forderungen. Schritt für Schritt werden Sie so in eine Situation geführt, in der Sie etwas tun, was Sie ursprünglich abgelehnt hätten. Brechen Sie den Kontakt ab, wenn sich die Forderungen ändern und grösser werden.

Skepsis bedeutet nicht, allen gegenüber misstrauisch zu sein

Skepsis bedeutet aber nicht, anderen Menschen grundsätzlich zu misstrauen oder hinter jeder Nachricht eine böse Absicht zu vermuten. Vielmehr geht es um eine gesunde, situationsbezogene Wachsamkeit. Wer kurz innehält, Fragen stellt und ungewöhnliche Aufforderungen überprüft, schützt sich selbst, ohne das Vertrauen im Alltag zu verlieren. Digitale Sicherheit beginnt nicht mit Angst, sondern mit einem bewussten und reflektierten Umgang mit Informationen.

Weiterführende Informationen

Die psychologischen Tricks der Betrüger – Teil 1

Die psychologischen Tricks der Betrüger – Teil 2